Diagnose Parodontitis: So handeln Sie richtig     

Achtung Parodontose!            

Bei Ihrer täglichen Zahnpflege schmecken und spucken Sie Blut? Dann kann der Grund dafür eine Entzündung Ihrer Mundhöhle sein. Ob es eine leichte Zahnfleischentzündung oder eine bereits chronische Entzündung des Zahnhalteapparates (Parodontitis) ist, das wird Ihnen Ihr Zahnarzt beantworten. Aber was versteht die Zahnmedizin unter dem Begriff „Parodontitis“?  

 

Parodontitis – Erkrankung und Behandlung des Zahnhalteapparates

Parodontose nennen Ärzte „Parodontitis“. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird diese Zahnbett-Entzündung aber Parodontose genannt. Beide Wörter stehen für ein und dieselbe Erkrankung: die bakterielle Entzündung des Zahnfleisches bzw. des gesamten Zahnhalteapparates. Bei einer Parodontitis hat sich das Gewebe, das den Zahn umgibt, bakteriell entzündet. Betroffen kann davon nicht nur das Zahnfleisch, sondern auch das vollständige Zahnbett sein. Es kommt zu einem Rückgang des Zahnfleisches. Folge: die Lösung des Zahnfleisches vom Zahn oder von mehreren Zähnen. Diese sind dann auch besonders schmerzempfindlich, weil die Zahnhälse zunehmend frei liegen. Die Zähne lockern sich und verlieren ihren Halt. Zahnverlust ist das Resultat.

Viele Menschen leiden an einer Parodontitis-Erkrankung. Zwar gehen die Zahlen etwas auseinander, jedoch gelten etwa 44 Prozent der Bevölkerung der über 40-Jährigen in Deutschland als von diesem Krankheitsbild betroffen*. (Quelle Studie) Doch auch unter 40-Jährige können Opfer dieser Krankheit sein. Parodontitis ist der häufigste Grund für Zahnausfall. Mit der zunehmenden Alterung der Bevölkerung steigt auch der Handlungs- und Beratungsbedarf für Menschen mit Parodontose. Das stellt auch die „Deutsche-Mundgesundheitsstudie“ fest.

·         "Insgesamt steigt der Behandlungsbedarf bei der Parodontitis aufgrund der demografischen Entwicklung prognostisch an."

(Quelle: https://www.bzaek.de/ueber-uns/daten-und-zahlen/deutsche-mundgesundheitsstudie-dms.html)

 

·         Untersuchungen legen nahe, „dass die Parodontits in der Bevölkerung sogar eher weiter verbreitet ist, als bislang angenommen.“ (dms)

 

Das sind Ursachen für Parodontitis

Hauptursache für die Parodontose ist oft eine mangelnde Mundhygiene. Wer seine Zähne nicht richtig putzt und die Zwischenräume der Zähne nicht reinigt, ist für Parodontose besonders anfällig. Denn so können sich bakterielle Erreger in Form von Belägen (Plaque) auf Zahnoberflächen sammeln, Zahnstein bilden und eine Entzündung des Zahnfleisches verursachen.

Neben einer ungenügenden Mundhygiene begünstigen vor allem individuelle Faktoren eine Parodontitis bzw. Parodontose:

·         Der Konsum von Zigaretten u. Ä. – Rauchen erhöht das Parodontose Risiko stark

·         Falsche Ernährung (z. B. zu viele zuckerhaltige Nahrungsmittel)

·         Übergewicht

·         bestimmte Medikamente, z. B. gegen Bluthochdruck

·         Stress: Das Immunsystem wird geschwächt. Die Abwehr von Keimen ist so nicht mehr mit voller Kraft möglich

·         Hormonelle Veränderungen (bedingt durch z. B. Wechseljahre oder Schwangerschaft)

·         Erkrankungen: z. B. Diabetes

 

Diese Symptome treten bei der Parodontitis auf

So erkennen Sie eine frühe Parodontitis

Video: 

 

Eine Parodontitis wird selten von starken Schmerzen begleitet. Vielleicht ist das der Grund, warum viele Betroffene ersten Symptomen dieser Zahnbetterkrankung keine starke Beachtung schenken. Um also einer zunehmenden Parodontose entgegenzuwirken ist es wichtig, die Parodontose frühzeitig zu erkennen. Leider zeigen sich erste Symptome dieser Erkrankung nicht auf den ersten Blick und auch nicht sofort im Fall einer Entzündung. Aber wenn Sie eines oder mehrere der folgenden Symptome identifizieren, dann ist der Besuch beim Zahnarzt notwendig:

Zu den Warnsignalen der Parodontose zählen die Veränderungen des Zahnfleischs:

·         Das Zahnfleisch reagiert schmerzhaft auf Druck

·         Eine Schwellung am Zahnfleisch tritt auf

·         Anstatt blass-rosa ist das Zahnfleisch stark gerötet

·         Beim Zähneputzen oder bei anderen Berührungen des Zahnfleischs kommt es zu Blutungen

·         Das Zahnfleisch weicht sichtbar zurück und Zahnhälse liegen offen

·         Der Zahn reagiert empfindlich auf Wärme und Kälte, da das zurückgewichene Zahnfleisch Zähne freigelegt hat

·         Zahnfleischtaschen entstehen, in denen sich Bakterien ungehindert ausbreiten

·         Erkennbare Zahnwanderung und eine Änderung der Zahnstellung

Schlechter Atem: Außerdem verursachen die Bakterien einen unangenehmen Atem. Weil die Zahnfleischtaschen mit der Zahnbürste kaum zu erreichen sind, sind die dort angesammelten Bakterien vor der Zahnreinigung geschützt. Trotz täglichen Zähneputzens entsteht so oftmals Mundgeruch -- >> weitere Informationen zum Thema finden Sie hier

Krankheitsverlauf einer Parodontitis

Der Verlauf einer Parodontitis wird vor allem von individuellen Faktoren beeinflusst. Lebensstil, Genetik und chronische Erkrankungen wie Diabetes können die sogenannte Parodontose in befördern. So kann bei Rauchern und/oder beruflich stark eingespannten Menschen die Parodontose sehr aggressiv verlaufen. Auch bei Diabetes - Patienten kann der Krankheitsverlauf schneller voranschreiten als bei Patienten ohne Allgemeinerkrankungen.

Der Grund liegt in der unterschiedlichen Ausprägung der bakteriellen Erreger. Dabei können besonders aggressive Bakterienarten den Krankheitsverlauf einer Parodontose beschleunigen. Ihre Menge und ihre spezifische Ausprägung bestimmen letztendlich den Verlauf der Entzündung. Bei aggressiven Bakterien und schwachen Abwehrkräften tritt die Parodontose früher und stärker auf. In anderen Fällen ist der Verlauf chronisch und die Parodontitis zieht sich über eine längere Zeit hin.

 

Chronik: Karriere einer Parodontitis / Zahnfleischentzündung

·         Mangelnde Mundhygiene

·         Ablagerungen entstehen an den zwischen Zahnfleisch und Zahn (Plaque und Zahnstein)

·         Gingivitis: Bakterien-Belag auf dem Zahnfleisch

·         Leichte Parodontitis – Entzündung des Zahnfleisches

·         Parodontitis – Entzündung des Zahnfleisches und des Kieferknochens

·         Chronische schwerwiegende Entzündung des Zahnhalteapparates: Der Knochen bildet sich zurück. Das Zahnstützgewebe wird schwächer und kann die Zähne nicht mehr halten.

·         Bakterien gelangen über das Blut in den gesamten Körper: Folgenerkrankungen sind möglich (Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen, erektile Dysfunktion)

 

Zähne

 

Das sind die Folgen einer (unbehandelten) Parodontitis: Erosion des Zahnhalteapparates

Wer seine Parodontitis nicht behandeln lässt, muss mit unangenehmen Folgen rechnen. Ohne Behandlung führt die Parodontose zum Zahnverlust.

Nachdem das Zahnfleisch entzündet ist, können die Erreger auch auf den Zahnhalteapparat übergreifen. Dabei vertiefen sich die Taschen und der Zahn verliert immer mehr seinen Halt und beginnt zu wackeln. Die Bakterien erreichen schließlich den Kieferknochen und die Zahnwurzel, sodass der Knochen sich zurückbildet und die Wurzel zerstört wird.

Wenn die Entzündung sehr weit fortgeschritten ist, hilft nur noch die Extraktion, damit die Bakterien nicht in den Blutkreislauf gelangen.

So erkennt der Zahnarzt eine Parodontitis

Oftmals werden die entzündeten Bereiche nicht beachtet, da sie zunächst keine Schmerzen verursachen. Doch je früher eine Parodontose oder Parodontitis erkannt wird, umso größer sind auch die Heilungschancen. Darum müssen Sie sich um eine professionelle Bestandsaufnahme regelmäßig kümmern.

Wenn Sie unsicher sind, ob eine Parodontitis vorliegt, dann sollten Sie Ihren Zahnarzt nach einer „Parodontalen Grunduntersuchung“ fragen (PGU). Diese sollte zu jeder Routineuntersuchung gehören, um eine mögliche Erkrankung festzustellen. Die Kosten für eine PGU werden von einigen Krankenkassen übernommen. Bitte informieren Sie sich rechtzeitig.

Eine Diagnose der Parodontose erfolgt durch folgende Schritte:

       Kontrolle der Mundhöhle und der Zähne

       Messung der Taschen des Zahnfleisches

       Bestimmung der Zahnbeweglichkeit

       Röntgenaufnahmen

 

 

Diese Anzeichen werden bei einem Befund berücksichtigt:

       Ausdehnung der Zahnbeläge (Plaque, Biofilm)

       Ausmaß vom Zahnstein

       Beweglichkeit der Zähne

       Untersuchung der Zahnwurzel (mögliche Entzündung)

       Ausmaß Größe bzw. der Tiefe der Zahnfleischtaschen

 

Anschließend kann der Zahnarzt den Schweregrad der Parodontose bestimmen und eine passende Behandlung empfehlen.

 

Diese Behandlung wird bei der Parodontose durch den Zahnarzt angewendet

Zuerst werden alle bakteriellen Ablagerungen sowie Zahnstein entfernt: an den Zahnoberflächen, an der Wurzel und in den Zahnfleischtaschen. Die Reinigung der Zahnfleischtaschen erfolgt mit Ultraschall oder Handinstrumenten und die Zähne und Zahnwurzelflächen werden gesäubert und geglättet. An glatten Flächen können Erreger nicht anhaften. Wenn die Zahnfleischtaschen vollständig gesäubert sind, ist die Parodontitis meistens gestoppt.

 

Bei aggressiven Formen ist eine weitergehende Behandlung erforderlich: Mit einer antibiotischen Therapie werden Bakterien aus dem Gewebe und dem Knochen entfernt. Auch eine Behandlung der empfindlichen Zahnhälse ist je nach Befund notwendig.